Verrueckung

 

Du Schutzpatron der Irren“ (Text: Ch. Lavant, Musik: A. Heginger)

Foto: Markus C. Keller

Martina Spitzer - Rezitation

Agnes Heginger - Gesang, Komposition

Maria Frodl - Cello, singende Säge


Die Schauspielerin Martina Spitzer, 

die Cellistin Maria Frodl, und Agnes Heginger widmen sich in ihrem Programm „Verrückung“ der österreichischen Autorin und Lyrikerin Christine Lavant (1915 - 1973),

mit besonderem Fokus auf deren posthum veröffentlichten Erzählung

„Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus“ (2001).

Der zwingend raue Text pulst im Spannungsfeld zwischen Glauben und Zweifel, klar erklingen die Worte über die Unklarheiten der Beziehung zwischen Umwelt und Selbst, zwischen dem Ver-Zweifeln und Lavants tiefem religiösen Glauben, den sie trotz immer neuer Prüfungen zeitlebens zu bewahren suchte. 

Mittels der ungewöhnlichen Besetzung Sprechstimme – Cello/ singende Säge – Singstimme werden die Rauschhaftigkeit des schöpferischen Schreibaktes und des Verloren-Seins im Alltag, das Gefangen-Sein in den eigenen Befindlichkeiten, sowie der wilde Drang, sich durch und mit Worten aus ebendiesen zu befreien, zum Tönen gebracht. Hegingers Kompositionen spielen mit der Sprache, verlassen sie wieder, und spannen den Bogen von Klassik über neue Musik bis zu frei-experimentellen Klängen, gemeinsam mit Frodl bedient sie sich Mitteln der freien Improvisation.




Im finsteren Hohlweg“ (Text: Ch. Lavant, Musik: A. Heginger)

Foto: Markus C. Keller

Das Abbilden und Hörbarmachen des Nicht-zugehörig-Fühlens als Grund und ewiger Quell des Schmerzes, wie auch die innere Zerrissenheit dieser großen österreichischen Dichterin und Literatin bilden das Kernstück dieser literarisch-musikalischen Performance und dienen ihr als Inspiration. 

"Mir graut es vor meinen Gedichten und eigentlich vor aller Kunst. Sie passt nicht zu mir, war ein unbegreifliches Zwischenspiel." (Christine Lavant)


Mit freundlicher Unterstützung der Hans Schmid Privatstiftung.


„Martina Spitzer lässt Lavants klare Sprache unmanieriert zu sich selbst kommen, unterstreicht sie nur durch sparsame, wirkungsvolle Mimik. Maria Frodl kontrapunktiert und interpunktiert die Worte mit kräftigen Staccati und grüblerischen Borduntönen am Cello, um immer wieder der singenden Säge wunderliche Kantilenen zu entlocken. Agnes Heginger bezirzt durch virtuose vokale Rollenwechsel zwischen entrückten Engelsgesängen und trällernder Närrin. Besondere Momente ergeben sich dann, wenn gesprochenes und gesungenes Wort, Sprache und Klang direkt ineinander greifen [....] (Der Standard, 16. Dezember 2011 - Andreas Felber)


„In Teamarbeit formten die beeindruckende Schauspielerin Martina Spitzer, die fesselnde Sängerin Agnes Heginger und die einfühlsame Cellistin Maria Frodl eine raffiniert aufgebaute Darbietung, die Christine Lavants Persönlichkeit lebendig werden lässt. Es würde Seiten füllen, all die Kunstgriffe aufzuzählen, die hier erdacht wurden. Die Faszination des Abends jedenfalls geht von der Verschmelzung von Singstimme, Sprechstimme und Instrument aus, die in dieser Perfektion nur von starken künstlerischen Persönlichkeiten realisiert werden kann.“

(Wiener Zeitung, 16. Dezember 2011 - Lona Chernel)


„[....] eine literarische-musikalische Annäherung an das Leben und das Werk von Christine Lavant im Welser “ImPavillon” gewagt, die einen in einer unerhörten Wucht in das Leben und die Kunst der bedeutenden Autorin zu ziehen vermochte. Diese “Verrückung” ist ein changierendes Vexierbild, das klingend – in Wort und Musik – in die Abgründe Lavants zerrt und in den unsagbaren Kosmos ihrer sprachgewaltigen Kunst ohne Sicherheitsabstand blicken lässt. Einer der intensivsten und gelungensten Wort-Musikabende seit langem!“

(Norbert Trawöger in der OÖ Krone, November 2011)


„Die Literatin, deren Sprache zu Beginn des vorigen Jahrhunderts zur absoluten Avantgarde gehörte, ist im Laufe der letzten Jahrzehnte fast in Vergessenheit geraten. Gerade mit diesem Text hat sich das weibliche Triumvirat eine Besonderheit in ihrem Werk vorgenommen, steht er doch abseits von tagespolitischem Geschehen und damit völlig herausgerückt aus der Zeit. [....] Die Inszenierung lebt gleichberechtigt von der Lesung des Textes durch Martina Spitzer, die es versteht, mit ihrer Stimme aber auch ihrer Mimik zu fesseln. Aber auch von Agnes Heginger, die einige der Gedichte musikalisch umsetzte und damit viele emotionale Momente so interpretierte, dass die Sprache Lavants dabei ein passendes Äquivalent fand. Ob dadaistisch-lautmalerisch an der Grenze der rationalen Nachvollziehbarkeit, oder ihren Gott innig beschwörend ihr doch zu helfen, immer unterlegte Heginger das Wortmaterial Lavants mit Tönen, die wie dazu gewachsen schienen. Sie bibberte, zitterte und schrie dabei mit dem Cello um die Wette, mit dem ihr Maria Frodl tatkräftig zur Seite stand. Der Einfall, neben dem klassischen Streichinstrument auch eine singende Säge einzusetzen, kann als zusätzliche Metapher gesehen werden. [....]  Die geglückte Textauswahl beschert dem Publikum ein kurzweiliges emotionales Wechselbad. Man wird Zeuge Lavants’ Selbsteinlieferung, erschaudert, wenn sie ihre Situation schildert, in der sie von Weinkrämpfen geschüttelt im Badezimmer eingesperrt verbringt, lacht ob des religiösen Wahns einer Mitinsassin und wird Zeuge einer absurden Konsultation durch den gerichtlich eingesetzten Psychiater, „in dessen Glatze sich das Licht spiegelte“. Doch trotz oder vielleicht gerade aufgrund der gekonnt inszenierten Kurzweiligkeit rückt man Stück für Stück an Lavants Sprachgebäude heran und bekommt große Lust, sich näher damit zu befassen.“

Ein schöneres Kompliment kann man den Akteurinnen wohl nicht machen!“

(www.european-cultural-news.com, Elisabeth Ritonja, 18. Dez. 2011)


„Ein Abend, an dem sich Gänsehaut aufbaut. Berührend und zum Aufschrei gleichermaßen anregend.“ 

(Marlene Hronek, Vorarlberger Nachrichten, September 2010)


























         Foto: Markus C. Keller