Pago Libre Sextett

 

Preis der Deutschen Schallplattenkritik 2009!

Als Hörbuch im Merian Verlag erschienen:

die neue CD „platzDADA!

Infos zur CD direkt auf der Merian-Seite!
Agnes Heginger
Gesang
Tscho TheissingVioline, Stimme
Arkady ShilkloperHorn, Flügelhorn, Alphorn, Stimme
John Wolf BrennanKlavier, Stimme
Georg Breinschmid Kontrabass, Stimme
Patrice HéralSchlagzeug, Stimme

«Hans Arp – Kurt Schwitters – Daniil Charms: Absurde Poesie aus den 1920er Jahren mit Musik von heute. Poesie, kongenial zum Klingen gebracht. Das europäische Top-Ensemble ‹pago libre› vertont skurrile Meisterwerke von drei zentralen Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts: Hans Arp, Kurt Schwitters und Daniil Charms. Das internationale Ensemble gehört seit vielen Jahren zu den interessantesten Musikgruppen Europas. Ihre Musik verarbeitet Einflüsse aus verschiedensten Volksmusiken und aus dem Jazz genauso wie E-Musik-, Hip Hop- und Improvisationselemente, nicht ohne eine gehörige Portion Virtuosität und Humor. Durch die gegenseitige Durchdringung von Musik und Literatur wird dieses opulente Hörbuch zu einem einzigartigen Erlebnis.» Pressetext Pago Libre


Sie hören einen Ausschnitt aus dem Titel-Track der gleichnamigen CD „platzDADA!“

(Text: Hans Arp, Musik: John Wolf Brennan)

Foto: Nancy Horowitz

Foto: Helmut Lackinger

«Das Projekt „platzDADA!“ gehört nicht in die Schublade „Jazz und Lyrik“, in der sich seit einem halben Jahrhundert Zeugnisse einer meist unglücklichen Liebe stapeln.

Hier verschmelzen Text und Musik zu einem Gesamtkunstwerk ganz eigener Art. Die so frischen wie frechen, herrlich verspielten Texte von Arp, Schwitters und Charms werden vom pago libre sextett nicht „vertont“, sondern wiedergeboren im Geiste einer kongenialen Musik. Ein Glücksfall.»

Manfred Papst, NZZ am Sonntag (Neue Züricher Zeitung)

«Dada war da. Nichts ist mehr vorbei als die Avantgarde von gestern? Werch ein Illtum.

Das pago libre sextett stellt die Dichtung von Hans Arp, Kurt Schwitters, Daniil Charms vom Kopf auf die Füsse und zurück auf den Kopf. Entdecken den gemeinsamen Nenner von Sprache und Musik im Laut.

Bringen den Vulkan DADA zum Kochen, den wir längst von der Literaturwissenschaft still-gelegt wähnten. Bringen den Witz im Wahnwitz zum explodieren und den Sinn im Un-Sinn. Reissen ein Stück papierene Literaturgeschichte über die Musik in die Gegenwart.

Da Dada da war, ist Dada wahr! »

(Peter Rüedi, Die Weltwoche, Zürich)



«Bei Platz DADA! (Christoph Merian Verlag, cvm, 2008) wirft das PAGO LIBRE SEXTETT im Ausnahmezustand mit dem Drummer Patrice Héral und der Sängerin Agnes Heginger die Frage auf, ob 1916 in Zürich die Weichen nicht anders gestellt hätten werden müssen. Statt Wladimir Iljitsch Uljanow mit seinem in der Spiegelgasse ausgebrüteten BolBlö, seinem bolschewistischen Blödsinn, in den Zug nach St. Petersburg zu setzen, hätte dort das Cabaret Voltaire-Ensemble mit einer DADAvolution erheblich weniger Unheil angerichtet. Aber die Weltbühne wird immer nur von den grössten Narren so absurd und grausam wie möglich bespielt. Hans Arp (1887-1966) Orginal-Voltaireianier und Wolkenpumpentangotänzer, Kurt Schwitters (1887-1948), der in Hannover sich seinen Reim aufs Sein als Schwein machte, und Daniil Charms (1905-1942), in St. Petersburg geborener Igel und in Leningrad ausgehungerter Zeisig, waren unmöglich. Vielleicht sind sie gerade deshalb etwas unsterblicher als Lenins Mumie. Heginger, die elisabethanisch ebenso wie querbeet bewanderte fesche Agnes aus Klagenfurt, zungenbricht, scattet und tiriliert dadábylonische Poesie dieser Drei zu musikalischen Kapriolen der Pago Libre-Hauskapelle. Die Libres mischen sich auch als Chorknaben ein, um den herrschenden Unsinn zu überunsinnen. Brennan, Theissing, Breinschmid & Co. denken nicht daran, sich mit kabarettistischem Zeitkolorit zu begnügen wie bei ‚Schnauze, Puppe!‘. Sie schütteln ihren Inhalt vor dem Gebrauch und Jazziges aus Purzelbäumen, sie fischen sekündliche Weltwunder und buchstäbliche Ursonaten aus Dadawellen, schicken Schwitters dröhnend auf Buddhafahrt und vertonen ‚Das fröhliche Greislein‘ von Charms Bachianisch. Ihre sch(m)erzgrenzgängerischen Kunstlieder schmecken nach Pfeffer-Honig oder klingen als ‚klanes Brabitschek‘ im Schorsch & Agnes-Duett so Weanerisch wie schrammelnde Kapuzinergrufties. Bee- & Pipi-u-ty-ful.»

(Rigobert Dittmann - Zunder der Blog)



«Am 5. Februar 1916 gründeten Hugo Ball und Emmy Hennings in Zürich das Cabaret Voltaire. Das ist lang her; die gute alte Avantgarde ist in die Jahre gekommen. Aber alt und gestrig ist sie nicht, zumindest wenn man ihr nicht denkmalpflegerisch begegnet, sondern mit Verve und Virtuosität, rauchenden Geigen, schepperndem Schlagwerk und über die Klippe getriebenen Vokalen, abrupten Stimmungsschwankungen von jazziger Lässigkeit zu abnormer Akkuratesse und retour und jedenfalls mit kundiger Liebe zum seriösen Irrsinn. So wie hier zum Beispiel, auf dieser CD.»

(Thomas Maurer, Kabarettist, Wien)



HANS ARP (1887-1966) betätigte sich zeit seines Lebens gleichermaßen literarisch wie als bildender Künstler. 1916 war er in Zürich einer der Mitbegründer des Cabaret Voltaire und damit der gesamten dadaistischen Bewegung; seine Texte gehen aber in ihrer magischen Tiefe weit über das heute an Dada so beliebte Aktionistisch-Humoristische hinaus.

Weiter nördlich, in Hannover, entwickelte gleichzeitig der Werbetexter und Universal-künstler KURT SCHWITTERS (1887-1948) seine eigene, dem Dadaismus verwandte "Merzkunst". Ende der 20er-Jahre schrieb er seine "Sonate in Urlauten", deren präzis gesetzter repetitiver Rhythmus heute noch zu verzaubern weiß. Schwitters war übrigens mit Arp eng befreundet.

Noch weiter nördlich, in St.Petersburg, machte sich DANIIL CHARMS (1905-1942) mit seiner rabenschwarzen Mischung aus Sprachwitz, Slapstick, absurden Szenen und makabrem Humor schon bald bei der Obrigkeit verdächtig. Er landete deshalb auch immer wieder im Gefängnis, wo er während der 900tägigen Nazi-Belagerung der Stadt einsam verhungerte.

“Brennan hat surrealistische Texte von Kurt Schwitters, Hans Arp und Daniil Charmes nicht nur ungemein witzig vertont, sondern auch mit überbordender Fantasie und handwerklicher Präzision so raffiniert miteinander verzahnt, dass die Musik (ähnlich wie die kauzigen „Brettl-Lieder“ desjungen Arnold Schönberg) selbst ebenso viele irre Pointen produziert wie die dadistische Lyrik selbst. Die sechs Musiker setzen das brillant um, allen voran die grossartige Wiener Sängerin Agnes Heginger, die mit zungenbrecherischer Virtuosität und riesigem schauspielerisch-komödiantischem Talent die hysterische Überdrehtheit dieser Zeit hart am Abgrund hervorragend über die Rampe brachte.“

(Christian Rentsch/ Jazzfestival Willisau, CH/ August 2009)

„Aus Frankreich ist der Percussionist Patrice Héral, und aus Klagenfurt [sic] die in vielen Farben irrlichternde Sängerin Agnes Heginger dazugestoßen. Die MusikerInnen hangeln sich auf Wienerisch, Deutsch, Russisch, Schweizerdeutsch die Texte entlang und lassen lautmalerische Fragmente der Schwitterschen Ursonate anklingen. Angefeuert von einer grossartigen Agnes Heginger fegen sie mit dadaistischer Lust durch die Texte, spielen dazu Musik von jazziger Unmittelbarkeit, swingen wie der Teufel und verbeugen sich auch mal vor Kurt Weill und Hans Eissler.“

(WOZ - Die Wochenzeitung/ Zürich)